PILOTENKUECHE

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PILOTENKUECHE ist ein künstlerisches und kuratorisches Format
zur Förderung der Kunstproduktion, der Kunstpräsentation, des Austauschs
über Kunst und der Vernetzung der einzelnen Akteure im
Allgemeinen und der Kunststandorte Wien und Leipzig im Besonderen.
Im Rahmen eines Artist-in-Residence-Programms stellt die PILOTENKUECHE
jeweils sechs Künstlerinnen und Künstlern aus Deutschland
und Österreich für vier Monate ihre Räumlichkeiten als Atelier, als
diskursive Plattform (Küche und Sofaecke) und als Ausstellungsfläche
zur Verfügung. Die durch Nähe entstehende Reibung wird produktiv zur
künstlerischen wie persönlichen Standortbestimmung genutzt. Das gemeinschaftliche
Arbeiten provoziert Diskussionen über das Produzierte,
über Haltungen, Ziele, Probleme und Strategien. Darüber realisiert sich
das Ziel der PILOTENKUECHE, ein Format für kollegialen Austausch
zu etablieren. Durch die binationale Struktur der PILOTENKUECHE
gewinnt der künstlerische Austausch eine ganz eigene Dynamik. Gegen
Ende eines jeden Einzelprojektes entwickeln die beteiligten Künstler
auf der Basis der geführten Gespräche und der produzierten Arbeiten
eine Ausstellung, mit der die PILOTENKUECHE jeweils zeitlich parallel
zu den Spinnerei-Rundgängen an die Öffentlichkeit tritt. Neben diesen
besonderen Auftritten ist die PILOTENKUECHE das ganze Jahr über
für Interessierte geöffnet. Eines ihrer erklärten Ziele ist der Austausch
über künstlerische Inhalte, Haltungen und Praxen mit Kollegen, aber
gerade auch mit einem interessierten Publikum. Genau darüber verläuft
die Vermittlung und darüber die Förderung junger, aufstrebender Künstler
und ihrer Kunst.
Effekte.
Christoph Mayer, der seit 2008 von der Kunsthistorikerin Sandra Dichtl
vor allem bezüglich der Koordination und Vernetzung unterstützt wird,
hat mit der PILOTENKUECHE ein alternatives Produktions- und Vermittlungsformat
etabliert, das seinesgleichen sucht. Keine Produzentengalerie,
die sich im Strudel von Ökonomie, Konkurrenz, Einzelkünstler
und Gruppe positionieren muss; keine öffentlich geförderte Stiftung,
die institutionell die Förderung der Kunst betreibt; und keine Kunsthalle,
deren Konzept von einem Kuratorenteam mit internationalem Netzwerk
verantwortet wird, ist die PILOTENKUECHE eine mit geringsten finanziellen
Mitteln und großem persönlichen Einsatz informell geführte Struktur
zur Förderung von Kunst und Diskurs. Der Diskurs ist dabei so bodenständig
wie die Idee der Küche als sozialer Ort mit kreativem Potenzial.
Dass die PILOTENKUECHE mit diesem Format seit nunmehr fast
zwei Jahren erfolgreich operiert, zeigen weniger die Besprechungen in
regionalen wie überregionalen Presseorganen (besonders unterhaltsam:
monopol 03/2008) als vielmehr die weiteren Laufbahnen der teilnehmenden
Künstlerinnen und Künstler. Diese nämlich nutzten die Struktur
der PILOTENKUECHE zum Aufbau von Netzwerken, was sich in der
Folge in weiteren Ausstellungen, Projekten, Stipendien und Preisen
niederschlug. Die größte Anerkennung allerdings kam überraschend von
privaten Sammlern, die mehrfach Arbeiten direkt aus der PILOTENKUECHE
heraus kauften. Es war nie das Ziel, einen Markt zu bedienen oder
Künstlern eine kommerzielle Plattform zu bieten – wenn jedoch Geld
nach wie vor die Währung ist, in der sich in unserer Gesellschaft Wertschätzung
ausdrückt, dann wird sich die PILOTENKUECHE dem nicht
verschließen.
Silke Feldhoff
Kunsthistorikerin, Berlin